Meine Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Dogmatik und Ethik. Ausgangspunkt ist die Theologie Karl Barths, die ich als Denkbewegung lese und nicht als abgeschlossenes System. Von dort aus frage ich, wie von Gottes Geist und vom Leben der Kirche so geredet werden kann, dass es für Gesellschaft und Öffentlichkeit der Gegenwart Gewicht hat.

Karl Barth und die Pneumatologie

Im Zentrum steht die Lehre vom Heiligen Geist. In meiner Habilitationsschrift „Der Heilige Geist, der intimste Freund des gesunden Menschenverstandes. Ein Beitrag zu der Pneumatologie von Karl Barth” lege ich die Pneumatologie der Kirchlichen Dogmatik neu frei. Ich lese Barths Werk dabei auf mehreren Ebenen: nach den Verschiebungen seiner Akzente, nach der Struktur seiner Leitsätze und nach dem Wandel seiner Sprache, von der wissenschaftlichen Darlegung hin zur doxologischen Gebetssprache.

Die oft gestellte Frage nach einem „pneumatologischen Defizit” bei Barth beantworte ich differenziert. Eine eigenständigere Lehre vom Geist wäre wünschenswert gewesen. Zugleich prägt der Geist Aufbau und Argumentation der Kirchlichen Dogmatik stärker, als es zunächst scheint. Der Geist ist für mich nicht nur Garant der Unverfügbarkeit Gottes, sondern auch eine identitätsstiftende, befreiende Kraft, die Menschen Raum für ihre eigene Geschichte in der Geschichte Gottes eröffnet.

Kirche und Öffentlichkeit

Aus der Pneumatologie ergeben sich Fragen der Ekklesiologie: Welche Gestalt und welche Aufgabe hat die Kirche in einer postmodernen, pluralen Gesellschaft? Im Gespräch mit Barth, Erik Peterson und der Gesellschaftstheorie (u. a. Luhmann und Habermas) untersuche ich, wie Gottesdienst, Zeugnis und Diakonie die Kirche zu einem öffentlichen Raum machen. In diesem „Gegen-Raum” gelten andere Regeln. Er kann der Gesellschaft einen Dienst erweisen und Impulse für das geben, was Avishai Margalit eine „anständige Gesellschaft” nennt.

Evangelische Ethik

Meine ethischen Arbeiten, etwa zu einer postmodernen politischen Ethik, gehen von derselben Grundfrage aus: Wie lässt sich verantwortlich handeln, wenn die großen gemeinsamen Erzählungen brüchig geworden sind? In Forschung und Lehre beschäftige ich mich mit allgemeiner, protestantischer, Sozial-, Bio-, Sexual- und politischer Ethik.

Aktuelle Projekte

  • Übersetzung und Kommentierung von K. H. Miskottes „Wenn die Götter schweigen” ins Ungarische (2025–2026, Erscheinen voraussichtlich 2026/27). Damit wird ein theologisches Schlüsselwerk erstmals ungarischsprachigen Leserinnen und Lesern zugänglich.
  • Vorträge und Forschungsaustausch „in Sachen Barth”, u. a. an reformierten theologischen Hochschulen in Ungarn (zuletzt in Sárospatak).
  • Überarbeitung und Publikation der Habilitationsschrift bei Verlag Exit, Cluj.

Forschungsumfeld

Von 2007 bis 2015 leitete ich das Mittel-Ost-Europäische Karl Barth Forschungsinstitut an der Reformierten Theologischen Universität Debrecen. Dort war ich auch als Oberassistent für Systematische Theologie und als Akademischer Rat tätig. Von 2013 bis 2015 war ich Generalsekretär der Ungarischen Gesellschaft für Theologie (Collegium Doctorum) sowie Herausgeber der gleichnamigen Zeitschrift. Die Zusammenarbeit zwischen Schweizer, deutschsprachiger und mittel-osteuropäischer Theologie ist mir bis heute ein Anliegen.

Profile und Publikationen

Mein Profil auf Academia.edu und mein ORCID-Profil bieten weitere Informationen zu Publikationen und wissenschaftlichen Aktivitäten. Eine Übersicht finden Sie auch unter Publikationen. Für Anfragen zu Vorträgen oder wissenschaftlicher Zusammenarbeit nutzen Sie bitte das Kontaktformular.